Jürgen Brodwolf, 1932-heute, Bildhauer und Objektkünstler

Biografie von Jürgen Brodwolf

Es ist eine zerdrückte Farbtube, die 1959 die Fantasie des jungen Grafikers und Restaurators Jürgen Brodwolf anregt: Sieht sie nicht aus wie eine Figur? Und kann man sie nicht noch weiter modellieren, zeichnen, erforschen? So wird aus einem Abfallprodukt das bevorzugte Material des 1932 im schweizerischen Dübendorf geborenen Künstlers: „Damit kann ich alles ausdrücken“, sagt Brodwolf. Seine stilisierten Tubengestalten erzählen still von Leben und Tod, Liebe und Leiden. In den 1970er-Jahren hausen sie noch in Kästen, die man als Häuser, Käfige, Gräber verstehen kann. Dann holt Brodwolf die Figur heraus, vergrößert sie auf menschliches Format, wickelt sie in Tücher, verändert sie mit Wachs, Farbpigmenten, Teer, arrangiert sie zueinander. Dabei wirkt Brodwolf weniger melancholisch, als seine Werke vermuten lassen. „Vieles entsteht in kindlicher Freude“, erzählt er und erinnert sich, dass er als Bub in ländlicher Umgebung kaum Spielkameraden hatte und sich aus Zweigen und Hölzern das Personal für selbsterfundene Dramen bastelte. Bis heute sucht Brodwolf bei Spaziergängen nach Pflanzen und Hölzern, die er in Wandbildern und Objekten verarbeiten kann. Seit dem Abschluss seiner Laufbahn als Professor für Bildhauerei an der Stuttgarter Kunstakademie 1994 lebt und arbeitet Jürgen Brodwolf im historischen Krankenhaus von Kandern im Schwarzwald. (bikö)